"MUSIK, DU HIMMLISCHES GEBILDE..."
| Gedanken zum 40-jährigen Bestehen des | ||
| FRANZ-SCHUBERT-CHORES EISENACH e. V. | ||
Uwe Ehrich |
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| Ja - es muß schon die Kraft
eines himmlischen Gebildes sein, das Menschen
unterschiedlichster Berufe und Altersgruppen in einer
solchen Gemeinschaft über die Jahrzehnte verbindet. Am 10. September 1956 trafen sich der bisherige Chorleiter des Männerchores der Wartburgstadt, Louis Faber, und einige Sänger in den Logisräumen des Hotels "Zur Sonne" in der Eisenacher GeorgenstraBe zur Gründung eines "Neuen Männerchores", der 1960 in "Franz-Schubert-Chor Eisenach" umbenannt wurde. Viele Jahre danach, in einer Unterhaltung mit Louis Faber, sprach er über seine Vorstellungen und Pläne bei der Gründung. Sein Ziel war der Aufbau eines Männerchores in Kammerchorstärke, der sich vorrangig der Pflege der klassischen Männerchorliteratur und des Volksliedes widmen sollte. Durch eine zahlenmäBige Beschränkung wollte er die Schlichtheit erreichen, die gerade die Werke der Romantiker vor schwülstigem Pathos bewahren sollte. Mit der Werkauswahl sollte ein bürgerliches Gegengewicht zur staatlich geförderten Ausrichtung der Kunst geschaffen werden. "Wir müssen vor dem Niveau unseres Publikums soviel Respekt haben, da8 wir unser Programm danach ausrichten egal, ob es dem Veranstalter paßt, der diesen Bildungsstand vielleicht nicht besitzt. Ebenso muß sich im Äußeren unsere Haltung dokumentieren: Unser Chor darf nie soweit sinken, daß schlechte Disziplin auf der Bühne oder saloppe Kleidung mangelnde Hochachtung vor dem Publikum ausdrücken", sagte er in diesem Gespräch. Die Gründer wußten, daß sich der Chor nur dann erfolgreich dem allgegenwärtigen politischen Einfluß entziehen konnte, wenn es gelang, die Pflege des "kulturellen Erbes" auf hohem Niveau zum Spezifikum zu entwickeln. Diese politische Weitsicht führte in der Folgezeit dazu, daß der Chor bei festlich-repräsentativen Anlässen eingesetzt wurde, für propagandistische Zwecke jedoch "ungeeignet" war. Damit war eine Nische entstanden, die zwar einerseits vom Staat beargwöhnt, andererseits aber, weil als Aushängeschild für die "sozialistische Erbepflege" zu gebrauchen, auch in beschränktem Maße gefördert wurde. Die konsequente Umsetzung dieser Gedanken zeigte bald Wirkung. Schon 1958 erreichte der Chor eine Stärke von 30 Sängern. Erste erfolgreiche Konzerte machten den Chor bekannt. Bereits 1960 wurde er erstmals um Unterstützung bei der Gestaltung der Chorpartie in der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven gebeten. Über vierzig Aufführungen mit weltbekannten Orchestern und Dirigenten schlossen sich an. Kontakte zu Chören im In- und Ausland wurden geknüpft und Konzerte im Gobelinsaal des Dresdener Zwingers, in der Jagiellonen-Universität Krakow und seit 1965 im Festsaal des Palas der Wartburg zu Eisenach wurden zu Höhepunkten im Chorleben. Dabei nahmen und nehmen die regelmäßig stattfindenden Wartburgkonzerte eine besondere Stellung ein. Die Wartburg-Stiftung Eisenach war und ist dabei ein verläßlicher Partner. Eine große Hilfe bedeutete ein im Jahre 1972 abgeschlossener und bis zur Wende gültiger Partnerschaftsvertrag zwischen der Stiftung und dem Chor. So ermöglichte erst die darin festgeschriebene kostenlose Nutzung des Festsaales der Burg das jährlich stattfindende Konzert, war doch der Chor auch zu dieser Zeit fast ausschließlich auf eigene Mitgliedsbeiträge und Konzerteinnahmen angewiesen. Nicht nur die besondere räumliche und akustische Atmosphäre der Wartburg, dieses Kleinods deutscher Kultur, heben diese Konzerte heraus. Von Beginn an sah das Konzept die Verbindung von Chor und Solisten vor. So gestalteten sowohl internationale Spitzenkünstler, wie die Ehrenmitglieder des Chores, Kammersänger Karl Ridderbusch und der Violinenvirtuose Manfred Scherzer, und die New Yorker Sopranistin Felicia Weathers, als auch junge erfolgreiche Nachwuchskünstler gemeinsam mit dem Franz-Schubert-Chor Eisenach diese Wartburgkonzerte, die zu einer Tradition im reichen Eisenacher Musikleben wurden. Louis Faber leitete den Chor, der in Chorwettbewerben und Wertungssingen immer wieder seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellte und sich in Rundfunkaufnahmen einem breiten Publikum vorstellte, bis 1979. Durch eine plötzliche Erkrankung zur Aufgabe seiner Chorleitertätigkeit gezwungen, übernahm Friedhelm Nökel, der bereits Sänger im Franz-Schubert-Chor war, die Arbeit. Bis zu seiner Ausreise in den Westen unseres Vaterlandes führte er den Chor mit gro8em Engagement, Der selbstlosen Hilfe des Eisenacher Pianisten Dieter Kellner ist es zu danken, daß danach ein Aus für den Chor vermieden werden konnte. Er half über eine schwere Zeit hinweg, bis schließlich Jutta Peter-Brod vor nunmehr 15 Jahren die Leitung des Chores übernahm. Jutta Peter-Brod ist die kontinuierliche künstlerische Weiterentwicklung des Chores zu danken. Ihrer Chorleitung wurde auch bei internationalen Chorleiterseminaren höchste Anerkennung zuteil. In den bisher 180 Konzerten unter Ihrem Dirigat führte sie den Chor zu großen Erfolgen, die in der Resonanz beim Publikum beredten Ausdruck fanden. Mit der Einheit unseres Vaterlandes eröffneten sich auch dem Franz-Schubert-Chor Eisenach neue Perspektiven. Ohne die bisherigen Kontakte zu den befreundeten Chören im Osten Deutschlands zu vernachlässigen, weitete sich nun der Blick. War 1988 ein Konzert in der Universitätsstadt Marburg im Rahmen der Städtepartnerschaft Marburg-Eisenach noch eine mit großen politischen Schwierigkeiten erbundene Ausnahme, so konnten nun die so schmerzlich vermißten Verbindungen geknüpft werden. Vielfältige Besuche, so u. a, beim Bonner Schubert-Chor. dem Horster Mannenchor in den Niederlanden oder beim Cronenberger Männerchor, waren Begegnungen, die menschlicher und künstlerischer Austausch gleichermaßen prägten. Im Geiste der Gründer konnte der Chor nun frei der Kunst dienen. Wenn ein Jubiläum die Gedanken zurückschweifen läßt, ziehen Bilder wie im Zeitraffer vorbei. Viel Wichtiges, das eigentlich gesagt und geschrieben werden müßte, bleibt unerwähnt, mancher Dank ungesagt. Es sind nur Streiflichter, die diese 40 Jahre Franz-Schubert-Chor Eisenach beleuchten können. Wichtiger aber als Rückschau ist die Hoffnung, noch oft durch die Musik anderen Menschen Freude schenken zu dürfen und zu erleben, wie sie ins eigene Herz zurückkehrt. |
zuletzt geändert am 28.04.2001