
(02.09.2004)
| Schubertchor verlieh dem Tag die besondere Note | ||
| EISENACH. Nach bewährter und schon fest verankerter Tradition hat die Ortsvereinigung Eisenach der Internationalen Goethe-Gesellschaft in Weimar in würdiger Form des 255. Geburtstages ihres Namenspatrons gedacht. Dankenswerte Unterstützung erfuhr sie von der Stiftung "Mitteldeutscher Kulturrat Bonn", der Wartburgstadt und der Opel Eisenach GmbH. Anstelle des Teehauses haben sich Eisenachs Goethe-Freunde im Jugendstilsaal Kurstraße einen neuen Veranstaltungsraum erschlossen, der auch größere Auftritte ermöglicht und über günstige akustische Bedingungen verfügt. Leider verzeichnete der Programmzettel nicht die Mitwirkenden, so dass man jeweils überrascht wurde, wer wann und womit dran war. Getragen hat das Programm der Eisenacher Schubertchor unter Leitung von MD Manfred Jäckel, willkommen ergänzt durch Monika Dehler (Mezzosopran) vom hiesigen Landestheater und Günter Moderegger (Tenor) aus Weimar. Der Klavierpart lag insgesamt in den bewährten Händen von Dagmar Linz (Musikschule Eisenach). Unter der zum klassischen Erbe gehörenden Lyrik des Dichters fanden sich neben bekannten auch weniger bekannte Vertonungen, z.B. "Über allen Gipfeln ist Ruh´" aus der Feder von Friedrich Kuhlau. Die 16 Programmtitel bildeten einen repräsentativen Querschnitt durch die Poesie des Geburtstagskindes, natürlich und locker moderiert von Bernd Stübig, selbst Chormitglied. Sein Motto "Aus einem Kunstlied wird schnell ein Volkslied". (Bestes Beispiel: Schuberts "Lindenbaum") bestätigte sich in der Programmfolge besonders am "Heidenröslein" und "Das Veilchen". Am Beginn stand das Chor und Solo verbindende differenziert durchstrukturierte Werk "Im Gegenwärtigen Vergangenes" von Franz Schubert, dem am häufigsten vertretenen Komponisten. Flüssig im Tempo, organisch im Zusammenwirken wurden alle Teile des anspruchsvollen Stücks gut bewältigt. Wenig bekannt ist auch die Vertonung "Genialisch Treiben" von Goethes Freund Carl Friedrich Zelter. An diesem A-capella-Chorsatz war deutlich festzustellen, dass mit den Sängern gearbeitet worden ist. Ein spürbarer Zuwachs an Intonationssicherheit und Homogenität sind das Ergebnis. Dazu kann man nur sagen:Weiter so! Eine Überraschung Adolf Zenders, dessen Name man in Nachschlagwerken vergeblich sucht: "Der Schäfer putzte sich zum Tanz". Hier zeichnete sich der Chorklang durch volltönige, weich abgefederte Harmonien aus, denen energische Akzente nicht fehlten. Dem "Trinklied" von Felix Mendelssohn Bartholdy, dem jungen Freund Goethes, gaben die klingenden Konsonanten die besondere Note. In memoriam Wilhelm Lutter, dem verdienstvollen Eisenacher Musikpädagogen, Dirigenten und Komponisten, erklang seine vom Rezitativischen zum Hymnischen sich steigernde Version des "Edel sei der Mensch". Dank der den Chortenören entgegenkommende Lage wurde Zelters "Bundeslied" zum schönen Höhepunkt der chorischen Beiträge, während andernorts die flache Tongebung in hohen Lagen durchaus verbesserungsbedürftig bleibt. Mit "Nur wer die Sehnsucht kennt" und "Der Musensohn" - beide Schubertsche Standardlieder, konnte Günter Moderegger punkten. Seiner angenehmen metallischen Stimme fehlt in der Höhe jedoch etwas Atemstütze. Zutiefst anrührend die Duette "Ich denke dein" von Robert Schumann und "Suleika und Hatem" aus dem West-östlichen Divan von Fanny Mendelssohn-Bartholdy, der Schwester des großen Komponisten. Monika Dehlers makellose Technik, ihr runder zum Alt tendierender Mezzosopran kann die gestandene Opernsängerin nicht verleugnen. Darum war sie weniger beim schlichten volkstümlichen "Heideröslein" Franz Schuberts, umso mehr aber in der "Altrhapsodie" von Johannes Brahms in ihrem ureigensten Element. Der Tragik jenes unglücklichen jungen Mannes aus Goethes Fragment seiner "Harzreise im Winter" gab sie tief berührenden Ausdruck. Mit herzlichem Beifall dankte das zahlreiche Publikum, wofür sich der Chor seinerseits revanchierte. Er verabschiedete sich mit Martin Luthers Loblied auf die Musik "Wer sich die Musik erkiest". Dr. Wolfram KLANTE 01.09.2004
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zuletzt geändert am 03.09.04