(28.03.2003)

 

 
Jubiläum für Chorleiter Manfred Jäckel


Seit 50 Jahren steht Manfred Jäckel nun auf den verschiedensten Bühnen im In- und Ausland, um Profi- und Laienchöre zu leiten. Ob im Prager Veitsdom, der Budapester Matthiaskirche oder damals im "Alten Erfurter Opernhaus" - Bewunderer gibt es noch immer, und die nicht zu knapp.

Von Monique OPETZ Am Sonntag ist es soweit: Manfred Jäckel wird im Rathausfestsaal mit einem Franz-Schubert-Konzert sein 50-jähriges Chorleiterjubiläum feiern. Voller Hingabe und Leidenschaft wird er wild gestikulierend - er selbst sagt "Zeichensprache" zum Dirigieren- seinen Franz-Schubert-Chor leiten. Er wird nicht mehr und nicht weniger aufgeregt sein als sonst. Es gilt einen Chor zu dirigieren, so wie er das bereits seit fünf Jahrzehnten meistert.

Wenn allerdings das Wort Routine fällt, reagiert Jäckel allergisch. Denn "Routine ist der Todfeind der lebendigen Kunst", quillt es aus seinem Mund und seine Augen blitzen. Der Schalk, der sonst in ihnen steht, ist weg gewischt. An seiner Stelle steht hundertprozentige Begeisterung für Musik.

Der sympatische 67-Jährige fängt an zu erzählen, von damals, von dieser Messias Aufführung, als es bei ihm "klick" gemacht hat. Als achtjähriger Junge war das sein Schlüsselerlebnis. Danach war klar: Musik und nichts anderes.

Mit ebendieser im Kopf, im Bauch und vor allen Dingen im Herzen marschierte er 16-jährig in eine Möbelfabrik, um den dort gegründeten Chor zu leiten. Selbstbewußt trat er mit den Worten "Ich kann euch helfen" auf und leitete kurze Zeit später seinen ersten 33-köpfigen gemischten Chor. Sein Können stellte der hoch motivierte Jäckel erstmals beim "Bezirksleistungsvergleich" in Potsdam unter Beweis. Seit diesem Chorwettbewerb hatte er auch endlich das Okay von seinem Vater, diese "brotlose Kunst" zu studieren.

Jäckel belegte das Fach Chorleitung am Konservatorium "Hanns Eisler" in Berlin. Doch das war ihm nicht genug. Er hängte noch ein Dirigentenstudium dran und hatte nach fünf Jahren das Kapellmeisterdiplom in der Tasche.

Während der verschiedenen Engagements an kleinen Theatern hat der frisch diplomierte Musiker natürlich nicht gleich damit gerechnet, den großen Wurf zu machen. Und so erzählt er lachend: "Ich habe anfangs noch die Bühnendienste erledigen müssen, habe mich sozusagen von der Pike auf ins Theatermetier eingearbeitet."

1964 verschlug es ihn schließlich nach Thüringen ans Landestheater Eisenach. Mit lächelnden Augen versinkt er in Erinnerungen, an Puccinis "Tosca" - seine erste Oper in Eisenach, bei der er auch das Orchester leitete. Die Zeit der Bühnendienstpinselei war definitiv vorbei. . .

Zwei Jahre später holte Professor Ude Nissen "den barocken Typen" - eine Anspielung auf Jäckels Vorliebe für klassische Musik - ans "Alte Erfurter Opernhaus". "Da haben wir die ganz großen Kisten gemacht", reist der ambitionierte Musiker in Gedanken zurück und erzählt von chorsinfonischen Sonderkonzerten, die sich schon bald zu Anrechtskonzerten der Erfurter Philharmonie entwickelt hatten, um die Spitzenwerke der geistlichen wie auch weltlichen Chorsinfonik auf die Bühne zu bringen. Ende der 60er Jahre gründete Jäckel die "Erfurter Singakademie".

Bei all der Professionalität kam die Amateurschiene jedoch nicht zu kurz: Laienchor Nummer eins ist der Männerchor "Cäcilia 1880", mit dem er seit nahezu 20 Jahren zusammenarbeitet, Nummer zwei: die "Liedertafel Tiefthal 1857". Vor zwei Jahren kam noch der Franz-Schubert-Chor dazu. Einladungen aus dem Ausland sind keine Seltenheit für die Chöre. Erst kürzlich war Jäckel mit dem Franz-Schubert-Chor beim Neujahrssingen in Paris mit von der Partie. Sieht ganz nach einem Faible für die Arbeit mit Amateuren aus. Ist aber nicht so. Bei den Berufssängern reizten ihn die gegebenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, bei den Laien - die positive Einstellung an der Sache.

Vor seinem offiziellen Ruhestand respektive inoffiziellen "Unruhestand" 2001 war er noch fünf Jahre am Landestheater Eisenach engagiert. "Und so schloß sich der Kreis", spielt Jäckel auf seine Anfangszeit in dieser Stadt an.

Rentner zu sein, bedeutet für den fidelen Mann allerdings keinesfalls mehr Zeit für seine Hobbies wie Reisen oder klassische Literatur zu haben. Zufrieden lächelnd zückt er seinen Terminkalender und zeigt die erste Seite, auf der bis 2011 gar nichts mehr geht. "Aufhören? Dafür habe ich noch keine Zeit."

27.03.2003

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zuletzt geändert am 28.03.03