(12.12.2001)

 

Aura feierlicher Stille im Konzert
Gegenwartsnahe, besinnliche Gedanken in den Liedern des Schubert-Chores


EISENACH. Am Eingang zur Sparkasse wurde man von einem an sich sehr erfreulichen Eindruck empfangen. Ein Gedränge, das einen zweifeln machen konnte, noch einen Sitzplatz zu finden. Woher diese große "Fan-Gemeinde"? Die Beliebtheit und der Ruf des Eisenacher Schubert-Chores? Die Liebe zum Genre "Musik für Männerchöre?" Die Tradition der Adventskonzerte? Sicher von allem etwas. Sodann auch erfreulich, dass MD Manfred Jäckel, der langjährige Chordirektor des Landestheaters, als provisorischer Leiter des Chores, mit der Wartburgstadt weiterhin verbunden bleibt. Die Früchte seiner professionellen chorerzieherischen Arbeit waren nicht zu verkennen. Doch zunächst hatte der Sparkassendirektor Herr Bock das Wort, um eine verdiente Mitarbeiterin, Erika Dzielak, nach elf Jahren Zusammenarbeit in den Ruhestand zu verabschieden. Dass zur Würdigung dieses mit Abschieds die Wahl auf die "Schubertianer" fiel, war indes kein Zufall. Ist doch die Gewürdigte nicht zuletzt durch ihren Gatten, ein Chormitglied, mit der Singegemeinschaft verbunden.
Seit 45 Jahren pflegt der Chor das Erbe seines Namenspatrons. Und in der Tat ist Franz Schubert auch der Klassiker des Männerchorgesangs, der sich bei Sängern und Hörern bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut. So war es nur zu verständlich, dass der Schöpfer des "Brunnen vor dem Tore" gleich mit vier Titeln das Programm einleitete. Lieder und Sätze der weiteren Folge stammten aus verschiedenen Zeiten, was sich schon aus der Notwendigkeit ergibt, manche vertraute Melodie, will man nicht auf sie verzichten, für vier gleiche Stimmen zu bearbeiten. Darunter waren meisterhafte Arbeiten von Komponisten des 20. Jahrhunderts wie Wilhelm Weismann, Rolf Lukowski, Walter Rein ("Maria durch ein Dornwald ging") und Siegfried Köhler ("Tausend Sterne sind ein Dom"). Eine interessante Entdeckung vermittelte der Tenor-Solist Günter Moderegger vom Deutschen Nationaltheater Weimar. Er sang und kommentierte drei Kompositionen seines Lehrers Manfred Schlenker, darunter ein "Kaschubisches" Weihnachtslied. Kaschubien, bekanntermaßen eine der ärmsten Gegenden Polens, wird hier zur Gegenüberstellung von innerem und äußerem Reichtum, zum schlichten Fingerzeig auf etwas, woran wir uns leider schon allzu sehr gewöhnt haben, dass nämlich das wesentliche Geschenk des Festes der Liebe von materielln Äußerlichkeiten überdeckt wird. Auch sonst fehlte es nicht an gegenwartsnahen besinnlichen Gedanken, die aus den Reihen der Sänger gelbst an uns herangetragen wurden, wie denn die ganze adventliche Stunde weniger von Festtagsjubel hatte als von der Aura feierlicher Stille umgeben war. Dass eine Huldigung an den "genius loci" nicht vergessen wurde, war klar. Sie wurde mit zwei Choralsätzen aus Bach Kantatenschaffen dargebracht, darunter dem fast populären "Jesus bleibet meine Freude". Die volkstümliche Weihnachtstradition war mit "Es ist ein Ros entsprungen" und "Stille Nacht" bedacht worden. Dagmar. Linz (Musikschule Eisenach) bewährte sich wie stets als zuverlässige Begleiterin auf den Tasten. Zu gönnen war ihr, dass sie sich dank einer Originalkomposition, den weihnachtlichen Kunstliedern von Peter Cornelius, gesungen von Günter Moderegger, auch pianistisch ein wenig entfalten konnte. Der Sänger schien zu beginn des Konzerts stark indisponiert und in der Höhenlage fest zu sein, was sich aber im Laufe des Programms gab. Manfred Jäckel verstand es, diese Anlaufschwierigkeiten mit schönen dynamischen Steigerungen aufzufangen und dabei gleich die Vorzüge des Chores vorzustellen. Dessen Leistungsfähigkeit zeigte sich naturgemäß am unbestechlichsten in den A-cappella-Stücken. Wenn es auch noch nicht gelang, die frei liegenden hohen Einsatztöne der Tenöre zu integrieren, haben Ausgeglichenheit des Klangs, Umgang mit offenen Vokalen und klingenden Konsonanten, Atemtechnik und Intonation ein Niveau erreicht, das sich hören lassen kann.

Dr. Wolfram KLANTE

 

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zuletzt geändert am 12.12.2001